Forschungen bei den Ngada in Ostindonesien

Von 1994 bis 1998 führte ich ethnologische Grundlagenforschungen bei den Ngada auf der ostindonesischen Insel Flores durch. Die Ngada bewohnen eine gebirgige und in weiten Teilen schwer zugängliche Region in Zentralflores, die, abgesehen vom Küstenstreifen, für indonesische Verhältnisse kühl und regenreich ist. Sie sind Subsistenzbauern und kultivieren Mais, Bohnen, Süsskartoffeln, Yams und vereinzelt auch Bergreis als Grundnahrungsmittel sowie verschiedene Gemüse, Gewürze und Fruchtbäume. Kleine Überschüsse werden auf Regionalmärkten verkauft oder gegen Waren, die an der Küste produziert werden, eingetauscht. Der Bedarf an tierischem Protein wird durch Fisch und diverse Nutztiere wie Hunde, Hühner, Ziegen, Schweine, Pferde und Wasserbüffel gedeckt. Fleisch wird grundsätzlich nur zu außergewöhnlichen Anlässen verzehrt, Schweine und Wasserbüffel ausschließlich im rituellen Kontext.

Ihre politische Organisation basiert auf einer Zuordnung zu Klanen (Woé) und Häusern (Sa’o), deren Zugehörigkeit in der mütterlichen Linie vererbt wird. Die Klanahnen werden in Gestalt von Miniaturhütten, als Symbole für die weiblichen Ahnen, und anthropomorpher Pfähle, Symbole der männlichen Vorfahren, verehrt, die Ahnen des Hauses befinden sich in nicht sichtbarer Gestalt auf diversen sakralen Gegenständen im Inneren der Küche, die gleichzeitig ein wichtiger Ort ritueller Handlungen darstellt. Andere heilige Plätze, die mit den Vorfahren in Verbindung stehen, befinden sich bei Gräbern, auf Feldern und in Palmenhainen.

Ngada, 1996, Gräber

Ngada, 1996, Gräber

Obgleich die Ngada sich heute ausnahmslos als Katholiken definieren, ist der Glaube an die Macht der Ahnen lebendig und selbst dem Frömmsten käme es nicht in den Sinn, seine diesbezüglichen Verpflichtungen zu vernachlässigen. Unglück, Krankheit und, im schlimmsten Falle, der Tod eines oder mehrerer Familienmitglieder wären die Folge, so glaubt man, denn die Verstorbenen sind rachsüchtig und überlassen ihre Nachkommen bei Fehlverhalten umherschweifenden bösen Geistern. Die Anlässe zeremonieller Ahnenpflege sind vielfältig. Sie reichen von persönlichen Anliegen bis zu großen rituellen Komplexen, die einen festen Platz im agrarischen Jahreszyklus einnehmen. Den Höhepunkt dieses Kreislaufes stellt eine Reihe religiöser Festlichkeiten dar, die kurz nach dem Einsetzen der Regenzeit durchgeführt werden.

Ich habe mich während meiner Forschungen vor allem mit dem rituellen Leben, dem dem religiösen Parallelsystem, das es den Ngada ermöglicht, sowohl den Ahnen und Geistern als auch der katholischen Kirche gerecht zu werden, und mit den Geschlechterverhältnissen befasst.