Islam

Die Welt zu Beginn des 21. Jh. ist durch eine rasante Entwicklungsdynamik und eine Vielzahl neuer Risiken und Konflikte gekennzeichnet, die den Status quo in den postkolonialen Staaten, aber auch in der westlichen Welt erodieren lassen und politische Akteure vor große Herausforderungen stellen. Orient und Okzident sind sich näher als jemals zuvor, verflochten durch Migration, transnationale Ökonomien und Politiken, durch elektronische Medien und kulturelle Camouflage. Diese Prozesse lösen Ängste aus, beleben alte Feindbilder und führen zu ethnischen und religiösen Spannungen. Sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch auf der Ebene der internationalen Beziehungen müssen die normativen Ordnungen der Zukunft neu verhandelt werden. Die Auseinandersetzungen um die Burka in Frankreich oder um die Rechtmäßigkeit der militärischen Intervention in Afghanistan sind nur zwei der ungezählten Beispiele.

Standing up for women's rights, 2005

Standing up for women's rights, 2005

Vieles steht zur Diskussion: die Bedeutung der Religion in Staat und Gesellschaft, die Legitimation von Herrschaft, die Geschlechterordnung, die Konstituierung von Individuum und Gemeinschaft sowie die Kontrolle von materiellen und immateriellen Ressourcen. Einiges ist in Bewegung: Der Islam etabliert sich langsam als europäische Religion, islamistische Organisationen demokratisieren sich, liberale und feministische Muslime sind aus öffentlichen Debatten nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig ist eine Zunahme an Intoleranz und Gewalt evident. In vielen pluralistischen Staaten gefährdet die Islamisierung des Rechts das interreligiöse Zusammenleben, in anderen beschneidet die Durchsetzung orthodoxer Gesellschaftsvorstellungen den Handlungsspielrum für Frauen und Mädchen.