Muslimisches Leben in Wiesbaden

Die Studie nimmt die Vielfalt muslimischen Lebens in Wiesbaden in den Blick und soll zum Verständnis einer religiösen Minderheit beitragen, die in den vergangenen Jahren zunehmend Gegenstand öffentlicher Diskussionen war. Ob der Islam mittlerweile, ebenso wie das Christentum und das Judentum, „zu Deutschland“ gehört oder ob Muslime weiterhin das von der Mehrheitsgesellschaft ausgeschlossene Fremde verkörpern, ist eine der großen Fragen dieser Debatte.

Auffällig ist, dass, bei aller Popularität des Themas, kaum wissenschaftliche Studien über Muslime in Deutschland existieren. Ethnographische Forschungen beziehen sich fast ausnahmslos auf ethnische Gruppen oder Angehörige spezifischer Religionsgemeinschaften, sozialwissenschaftliche Erhebungen haben häufig einen thematischen Schwerpunkt wie die Kopftuchdebatte, Religion und Gewalt oder befassen sich mit einer soziologischen Gruppe, vorzugsweise mit Frauen oder Jugendlichen. Bei Arbeiten, die sich gezielt mit Muslimen als Gruppe befassen, handelt es sich meist um quantitative Arbeiten oder solche, die mit Hilfe von standardisierten Fragebögen durchgeführt wurden.

Die geplante Studie versucht, die vorhandene Wissenslücke zu schließen und Wiesbadener Muslime und Musliminnen als aktive Bürger und Bürgerinnen in den Mittelpunkt zu rücken und selbst zu Wort kommen zu lassen. Dabei stehen unterschiedliche Lebensstile, die Organisation von Aktivitäten, die Partizipation in Politik und Gesellschaft, die Dynamiken innerhalb der muslimischen Gemeinschaften, die Probleme und Problembewältigungsstrategien sowie die unterschiedlichen Entwürfe für die Zukunft im Mittelpunkt. Unser Ziel ist es, die Vielfältigkeit des Lebens von Muslimen in Wiesbaden sichtbar zu machen und damit einer Differenzierung der Debatte beizutragen.