Prozesse der Indigenisierung des Katholizismus in Ostindonesien

Während in der Religionsethnologie bis in die späten 80er Jahre des 20. Jahrhunderts die Annahme vorherrschte, der Kontakt zwischen den großen Universalreligionen und den Glaubenssystemen kleiner autochthoner Gemeinschaften verurteile letztere zum Aussterben, haben jüngste Forschungen gezeigt, daß diese keineswegs verdrängt werden, sondern daß das Fremde vielmehr kreatitv angeeignet, integriert und in eine neue indigene Gestalt umgewandelt wird. Synkretistische und parallelistische Ritualformen sind in diesem dynamischen Prozeß ebenso entstanden wie neue Mythen, in denen sich orale Traditionen mit verschriftlichten Texten der Buchreligionen verbinden.

Ziel des geplanten Forschungsprojektes war es, einen solchen Prozeß der Indigenisierung einer Hochreligion am Beispiel der Geschichte der Missionierung der ostindonesischen Inseln Flores und Timor durch die katholischen Missionare der Societas Verbi Divini nachzuvollziehen. Dieses ungewöhnlich erfolgreiche Unternehmen, daß dazu führte, daß sich auf Flores heute mehr als 90 % der Bewohner zum Katholizismus bekennen, verlangte sowohl von den Angehörigen des Ordens als auch von der lokalen Bevölkerung Reinterpretationen und Modifikationen ihrer Glaubenssätze und der daraus abgeleiteten religiösen Handlungen, um sie mit der jeweils anderen Religion kompatibel zu machen. Das vorläufige Ergebnis dieser Bemühungen ist ein Geflecht zeremonieller Komplexe, in denen implementierte westliche und tradierte einheimische oft zu gänzlich neuen Formen miteinander kombiniert werden.

Dieses moderne indigene Glaubenssystem wurde mit Hilfe der Methode der teilnehmenden Beobachtung, mit visuellen und auditiven Aufzeichnungen ritueller Texte und Handlungen sowie mit gezielten Befragungen der Akteure untersucht werden. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Konstituierung einer modernen christlich-ostindonesischen Identität, die über den Rahmen begrenzter lokaler und verwandtschaftlicher Verortungen hinausgeht und als Beispiel für eine positive Bewältigung einer Konfrontation zweier kultureller Systeme interpretiert werden kann, bei der die Akteure sowohl von einer gegenseitigen Faszination für einander als auch von zweckrationalen Erwägungen geleitet wurden.

Publikationen Schröter:

2010
  • Hg.: Christianity in Indonesia. Perspectives of power. Berlin: Lit, Reihe: Southeast Asian Modernities
  • The indigenization of Catholicism on Flores. In: dies. (Hg.): Christianity in Indonesia, S. 90-105.
  • Christianity in Indonesia. An overview. In: dies. (Hg.): Christianity in Indonesia, S. 2-15.
2007
  • Adat und katholische Mission in Indonesien. In: Piepke, Joachim, Hg.: Kultur und Religion in der Begegnung mit dem Fremden. St. Augustin: Anthropos Verlag, S. 179-207.
2002
  • Jesus als Yamsheros. Die Aneignung des Katholizismus in einer indonesischen Lokalgesellschaft. In: Petermanns Geographische Mitteilungen. Themenheft: Indigene Gesellschaften, S. 36-41.
1999
  • Balancing modernity and tradition: Ngada rituals as a space of action. In: Heinze, Ruth-Inge, Hg.: The nature and function of rituals. Westport: Greenwood Publishing Group, S. 131-150.